Szenisches Singspiel "Martin Luther" - ein Rückblick

 

„Unser Mund, der ist voll Jubel“, das war das letzte Lied, das die Schülerinnen und Schüler an diesem Abend sangen. Ich stand hinter der Bühne und konnte sie von der Seite her betrachten. Sie sangen mit Begeisterung. Davor musste ich koordinieren, wer wann mit welchen Requisiten auf die Bühne geht, aber in diesem Moment löste sich meine Anspannung und ihre Begeisterung steckte mich an. Ich musste einfach mitsingen. Auch das Publikum zeigte seine Begeisterung. Die Schülerinnen und Schüler ernteten so großen Beifall, dass sie auch noch eine Zugabe sangen.

Zuvor waren viele Monate der Vorbereitungen vergangen, viele Stunden der Planung, des intensiven Übens, des engagierten Bastelns und Schneiderns. Unsere Musiklehrerin Eva Paul, die die Leitung des Singspiels übernahm, hatte im Dezember letzten Jahres die Idee im Rahmen des Reformationsjubiläums das szenische Singspiel mit den Schülern einzuüben.  Unsere Schulleiterin, Sylvia Clemens, fand dies gut und im Frühjahr diesen Jahres stand es dann auch für uns übrige Lehrer fest, dass wir das Singspiel, das von Ingo und Anna Magdalena Bredenbach stammt und von Günther Preuss arrangiert wurde, mit der gesamten Schule aufführen werden.

Jeder bekam eine Aufgabe zugewiesen und im Musikunterricht wurden die Lieder fleißig eingeübt. Insgesamt enthällt das Singspiel 17 Lieder, die teilweise mehrere Strophen umfassen. Diese mussten zunächst auswendig gelernt werden. Auch das berühmte Lied von Martin Luther „Eine feste Burg ist unser Gott“ war darunter. Natürlich durfte auch ein Orchester nicht fehlen. Klavier, Posaunen, Geigen, Bassxylophon, mehrere Flöten und Xylophone kamen zum Einsatz. Ein Moment mit Gänsehaut war für mich persönlich die Ouvertüre, bei der ca. 20 Schüler zusammen musizierten.

Die Kostüme, von der Mönchskutte bis zum Kaiserumhang wurden eigens für die Aufführung entworfen, wobei darauf Wert gelegt wurde, sie möglichst authentisch zu gestalten. So benötigten die Dominikaner um Tetzel andere Mönchskutten als Martin Luther, der, wie wir erfahren haben, keine braune, sondern eine schwarze Kutte trug, da er zu den Augustinern gehörte. Das macht ein Projekt umso spannender, wenn Schüler wie auch Lehrer noch etwas dazu lernen.
Die Realschüler bekamen im Unterricht ein Kostüm zugeteilt, für das sie verantwortlich waren. Somit wurde auch einiges über die Mode der damaligen Zeit gelernt. Begriffe wie Barett und Gugl waren bald keine Fremdwörter mehr. Die Kulisse mit Schlosskirche und Wartburg wurde von Linda Köbele mit viel Liebe zum Detail entworfen und mit großem Engagement von den Eltern der Schülerinnen und Schüler aus Stoff genäht. Die Kulisse erhielt drei Öffnungen, durch die der Chor hervor- oder zurückgehen konnte. Ablassbriefe wurden geschrieben, eingerollt und mit Wachs und Siegel verschlossen, Geldsäckchen in feinster Handarbeit hergestellt. Ich habe erlebt, wie der eine oder andere Grundschüler seine Frustrationstoleranz trainierte, wenn es beim ersten Anlauf nicht so recht klappen wollte. Die 95 Thesen wurden mit Feder und Tinte gewissenhaft abgeschrieben und es wurde uns bewusst, wie viel Text Martin Luther da eigentlich geschrieben hatte! Wir fragten uns, an welche Tür Martin Luther seine Thesen anschlagen sollte. Da kam uns der Heimatverein von Tutschfelden zu Hilfe und lieh uns eine 400 Jahre alte Tür, in die wir sogar einen Nagel schlagen durften. Das Tor der Schlosskirche war gefunden!
Wenn man im Oktober und November in unser Musikhäuschen ging, kam man sich vor wie beim Theater, weil sich Kostüme und Requisiten stapelten und gesummte Melodien zu hören waren. Es war eine tolle und aufregende Zeit.

Nun kamen wir auch zu dem Punkt, den Hauptrollen den letzten schauspielerischen Ausdruck zu verleihen. Einige Lehrer unterstützten die Schüler darin, beispielsweise unsere Souffleuse Monika Joham. Es ging darum, Johann Tetzel eine drohende und wütende Stimme zu verleihen, Martin Luther ein ruhiges, aber bestimmtes Auftreten zu geben und den Kaiser erhaben und gleichzeitig ärgerlich über den standhaften Martin Luther darzustellen. In diesem Sinne ist mir die Szene mit Johann Tetzel und dem Volk in besonderer Erinnerung geblieben: Tetzel erhebt seine drohende Stimme, während erschrockene Ausrufe seitens des Volks zu hören sind.
Hervorheben möchte ich auch die Schülerinnen der Klasse 5 und 6, die die Oma und Enkel gespielt haben. Sie haben der Geschichte sozusagen den Rahmen gegeben. Hier musste der meiste Text auswendig gelernt werden und die schauspielerische Leistung war klasse.

Insgesamt hatten wir nur zwei Gesamtproben, außer der Generalprobe in Müllheim. Eigentlich wären mehr Proben nötig gewesen, aber zeitlich und organisatorisch war es einfach schwierig, noch weitere einzuplanen. Doch Gott hat seinen Segen zu unserem Projekt dazugegeben. Wir hatten eine relativ kurze Standprobe in unserem Musikraum am 16. November, bei der es nur darum ging, zu wissen, wer wann dran ist und wo stehen muss. Dann kam die Ganztagesprobe in der Adventgemeinde Müllheim eine Woche später. Dazu wurden Fahrgemeinschaften gebildet und ein ganz anderer Schultag begann. Das erste Mal übten die Schüler mit Kostümen und Requisiten. Im Nachhinein muss ich wirklich sagen, dass es von allen Schülern, aber vor allem den Grundschülern eine super Leistung war, diesen doch anstrengenden Tag bis 14 Uhr durchzuhalten und mitzumachen. Es gab währenddessen nicht allzu viele Pausen, aber das gemeinsame Mittagessen um 12 Uhr hatten sie sich redlich verdient. Danke an dieser Stelle allen Eltern, die tatkräftig in der Küche gearbeitet haben!
Die Aufführung in Müllheim am 25. November wurde ein voller Erfolg. Den Besuchern hat es sehr gut gefallen, was sie mit großem Applaus zum Ausdruck brachten.

Am 26. November war der Tag der großen Aufführung im Bürgerhaus von Tutschfelden gekommen. Das Technikteam rund um Waldemar Laufersweiler war schon viele Stunden vor Beginn anwesend. Die Kulisse und alles, was dazugehört, musste den Gegebenheiten angepasst werden. Auch einzelne Punkte im Regiebuch mussten von Maria Laufersweiler und mir verändert und mit den anderen Bühnenhelfern Bettina Mester, Johannes Kunkel und John van der Werff abgesprochen werden. Zwei Stunden vor dem Beginn wurde es dann auch geschäftig in unserem Umkleideraum. Julia Weizel sortierte die Kostüme und gab Hilfestellung beim Anziehen. Angelique Kasputtis, die für die Maske zuständig war, machte sich ans Werk, die langsam eintrudelnden Schüler herzurichten. Hier bekam Martin Luther seine Perücke mit Tonsur, Kaiser Karl V. seinen Prinzenschnitt und die Zweitklässler ihre Flechtfrisuren und Blumenkränze. Letztere konnte man dann beim Bauerntanz, für mich eine der schönsten Szenen, bestaunen. Eine Stunde vor der Aufführung führte Eva Paul für den Chor, aufgrund der veränderten Gegebenheiten, noch eine kurze Standprobe durch. Dann kamen die Gäste und die Anspannung stieg. Kurz vor Beginn versammelten sich alle Beteiligten und unser Pastor Sebastian Wulff sprach ein Gebet, in dem er um den Segen Gottes bat.

Wer die Aufführung verpasst hat oder das Singspiel noch einmal anschauen will:

 

 

 

Außerdem gibt es einen Zeitungsartikel, der unter folgendem Link eingesehen werden kann:
http://www.badische-zeitung.de/herbolzheim/ein-dankeschoen-an-luther--145750927.html

Abschließend möchte ich sagen, dass mir vor allem die gute Zusammenarbeit von Grund- und Realschule gefallen hat. Die Hauptrollen wurden nicht alle von den Realschülern gespielt, die wichtigen Rollen des Johann Tetzel und des Boten wurden von Grundschülern übernommen. Es war eine hervorragende Leistung aller Schüler. Sie haben erlebt, dass man etwas Großes auf die Beine stellen kann, wenn man zusammen Zeit und Kraft investiert. Darüber hinaus haben haben sie im Laufe dieser Monate viel über die Geschichte der Reformation gelernt. Auch das Engagement von Seiten der Eltern war enorm, sie waren bereit, Zeit zu investieren und wurden somit ein unverzichtbarer Teil des Projektes. In den letzten Wochen der Vorbereitungen haben wir dann doch gemerkt, wie langsam die Kräfte schwinden, aber als Kollegium der Elisa-Schule haben wir uns gegenseitig unterstützt.
Ich glaube, dass die gesamte Schulgemeinschaft durch dieses besondere Projekt enger zusammengewachsen ist. Es war eine wunderbare Erfahrung.
Einen großen Dank an alle Schülerinnen und Schüler, alle Eltern und Kollegen!

Der größte Dank gebürt natürlich Gott. Er ist es, der unser Tun gesegnet hat!

SYLVIA GEIGER


 

Fotos: Henry Stober www.dieschoepfung.eu


 


 

Frau Karst begrüßt unsere 12 neuen ABC-Schützen.